KAISER WILHELM

Neuosier Sahnetopf, Kaiser Wilhelm II.

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Beschreibung

Dieser kleine Sahnetopf aus einem "Neuosier"‑Tafelservice Berlin für Kaiser Wilhelm II., ohne Datierung, stammt aus der traditionsreichen Königlichen Porzellan‑Manufaktur Berlin (KPM) und zählt zu den besonders kunstvoll gestalteten Stücken der Kaiserzeit. Gefertigt aus weiß glasiertem Porzellan, zeigt der Bouillontopf eine in Eisenrot ausgeführte Rokoko‑Kartusche mit dem preußischen Adler und der Chiffre „FR“ – Friedrich Rex unter der Königskrone. Dieses Motiv verweist direkt auf Friedrich den Großen und die preußische Monarchietradition.

Das Dekor wird ergänzt durch farbige Blumenbouquets, eine fein gearbeitete goldene Weinlaubbordüre sowie sehr schön ausgearbeitete Griffe und plastisch modellierte Blumen und Knospen, die dem Stück eine außergewöhnliche Tiefe und handwerkliche Raffinesse verleihen. Auf der Rückseite finden sich die klassischen KPM‑Marken: die unterglasurblaue Zeptermarke und die rote Reichsapfelmarke. Zudem trägt der Bouillontopf die blaue Chiffre „WR“ – Wilhelm Rex unter der Königskrone, ein Hinweis auf die direkte Verbindung zum preußischen Hof.


Maße und Erhaltungszustand

Mit seinen Maßen von 7 cm (Durchmesser) × 6 cm (Höhe) und in sehr gutem Erhaltungszustand vereint dieser Sahnetopf königliche Provenienz, kunsthandwerkliche Qualität und historische Bedeutung. Ein echtes Highlight für Sammler von KPM‑Porzellan, Kaiserzeit‑Geschirr und repräsentativen Objekten der deutschen Geschichte.


„Neuosier“ und seine Geschichte

„Neuosier“ war das Standardgeschirr der Hofhaltung Wilhelms II.. Der Kaiser führte für alle Schlösser ein einheitliches Porzellan ein. Mitte der 1890er Jahre gab das Oberhofmarschallamt eine erste große Bestellung bei der KPM auf. „Neuosier“ war jedoch keine exklusive Sonderanfertigung für den Kaiser: Die Form war handelsüblich. Der Unterschied lag in der Bemalung. Zwar wurden die Berliner Blumenbouquets übernommen, jedoch im Stil des „dritten Rokoko“ abgeändert, farblich auf monochromes Eisenrot reduziert und durch eine Kartusche mit dem Preußen‑Adler ergänzt.

Interessant ist, dass diese Bemalung auch in den Handel gelangte – allerdings ohne Adler. Der König von Italien ließ sich das Service sogar mit dem savoyischen Wappen herstellen.


„Neuosier“ Tafelgeschirr

In den KPM‑Preislisten von 1913 ist „Neuosier“ mit 55 Einzelteilen für das Tafelgeschirr und 14 Teilen für das Kaffee‑ und Teegeschirr verzeichnet. Viele Stücke konnten in mehreren Größen bestellt werden – teilweise in bis zu acht Varianten. Zum Sortiment gehörten neben Tellern, Platten und Schüsseln auch Geleetassen, Bouillonkännchen und eine Vielzahl von „Kompottnäpfen“. Besonders letztere geben Einblick in die Esskultur der Kaiserzeit, die eine große Vielfalt an Speisen und Servierformen kannte.

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